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Festschrift aus dem Jahr 1971

Die nachfolgenden Texte und Fotos stammen aus einer Festschrift, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Vereins im Jahre 1971 herausgegeben wurde.

EISENBAHN SCHLOSS FINNENTROP DIE WELT AUF

Kurzbetrachtung der Entwicklungsgeschichte des Ortes zum 50jährigen Bestehen des Bürgerschützenvereins e. V.

Weltaufgeschlossenheit gilt heutzutage als etwas Selbstverständliches. Weltabgeschieden dämmerten die Orte und Dörfer des Sauerlandes in der Mitte des vorigen Jahrhunderts dahin. Am Zusammenfluß von Bigge und Lenne standen zu jener Zeit nur wenige Hauser: Finnentrop später "Altfinnentrop" genannt. Vom heutigen Finnentrop fand man nur die Ortsteile "Habbecke" und "Neubrücke", klein und in ländlicher Idylle. Der erste Anschluß an die viel genannte große weite Welt, damals charakterisiert durch mannigfaltige Ansätze zur industriellen Revolution, kam durch den Bau von Eisenbahnlinien. Schon 1860 war der Schienenstrang der Ruhr-Sieg-Strecke bis Finnentrop gelegt.


Der Bahnhof Finnentrop im Jahre 1971. Wichtiges Datum für die Eisenbahnstrecke Hagen - Siegen war der 14. Mai 1965. An diesem Tage schloß die von der Bundesbahn beauftragte AEG die Elekrifizierung der Ruhr-Sieg-Strecke ab. Gefeiert wurde das Ereignis in der Finnentroper Festhalle.


Finnentrop steigt in den Zug der Zeit ein

Bei diesem Einsteigen half der große Eisenbahnpionier Friedrich Harkort mit der Überlegung, die Kohle des Ruhrgebiets mit den Erzgruben des Sauer- und Siegerlandes in "rollende Verbindung" zu bringen Und da lag Finnentrop halt an der Strecke Das galt später auch für die Eisenbahnlinien nach Olpe (1875) und durch das Frettertal bis Wenholthausen/Wennemen 1911 (Anschluß an die Linie Hagen - Kassel). So wurde Finnentrop zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt, es bekam 1896 seinen jetzigen Bahnhof, 1914 das Bahnbetriebswerk und 1919 eine Entseuchungsstation zur Wäsche und Desinfektion von Viehwaggons.
Diese Dinge mögen hier zur Verdeutlichung der Entwicklung genügen, der Entwicklung eines Kommunikationsmittels. das bis weit in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts hinein wenig Konkurrenz von der Straße bekam (Automobil, Motorrad, Fahrrad).


Wo heute im Biggetal die Gaststätte "Zum Lindenbaum" steht, befand sich vo rdem das hier abgebildete Gebäude. Es diente in den Jahren von 1859 bis 1861 den am Bau der Eisenbahnlinie tätigen Arbeitern und Handwerkern als Wohnung mit Kantine. Eine eigene Schmiede gehörte dazu. In diesem Haus (nach einem Foto, das Ende vorigen Jahrhunderts entstand) diskutierten die Eisenbahner zu jener Zeit darüber, welchen Namen die neue Eisenbahnstationbekommen sollte. Man einigte sich schließlich auf "Finnentrop", den Ortsteil gleichen Namens nannte man seitdem "Alffinnentrop".


Eisenbahn prägte Bürgerschützenverein mit

Viel Neues reiste per Eisenbahn in Finnentrop ein, besonders seit Bestehen des genannten Knotenpunktes 1896, sozusagen das zweite Geburtsdatum des Ortes. Handel, Handwerk und Gewerbe bekamen Auftrieb, Industrieansiedlungen wurden möglich, die wirtschaftliche Struktur gewann Vielseitigkeit. Auch die Bevölkerungsstruktur änderte sich. In einem Zahlenvergleich sieht das so aus: 1918 hatte Finnentrop kaum 600 Einwohner, heute fast das Fünffache. Der Ort bietet weit über 1000 Personen Berufstätigkeit, außerdem beschäftigen die Dienststellen der Bundesbahn einige hundert Leute. Der 1930 gegründete Eisenbahner-Sportverein Finnentrop machte in den 60er Jahren mit seiner Rhönradabteilung durch den Gewinn Deutscher Meistertitel Furore.Doch nun zum Geburtstagskind, dem Bürgerschützenverein e. V. Finnentrop: Schon der Name ist von der Eisenbahn mitgeprägt, weil sie, wie gesagt, die Bevölkerungsstruktur beträchtlich veränderte. Menschen anderer Landsmannschaften und Konfessionen kamen ins Land. Im Jahre 1913 registrierte die Pfarrei Lenhausen, zu der Finnentrop bis zur Eigenständigkeit 1921 gehörte (also noch ein goldenes Jubiläum in diesem Jahr), 684 katholische und 184 evangelische Christen. Die durch die Eisenbahn, teils sicherlich auch durch Not und Leiden des 1. Weltkrieges ziemlich weltoffen und tolerant gewordenen Finnentroper wollten, daß alle Bürger im Schützenverein, gleich welcher Herkunft und Konfession, unbekümmert an d e m Sauerländer Volksfest teilnehmen konnten. Dieses lobenswerte Bewußtsein stand über der jahrhundertealten Tradition, die sich — vom Wort her - in Schützenbruderschaften oder -gilden manifestiert hatte. Und es war kein "Rückfall in die Tradition", daß sich die Finnentroper Bürgerschützen nach Ende des 2. Weltkrieges 1947 St.-Johannes-Schützenbruderschatt nannten. Die alliierten Siegermächte zwangen dazu. Sie sahen in den 1937 im NS-Reichsbund für Leibesübungen "gleichgeschalteten" (heute würde man vielleicht sagen: "umfunktionierten") Schützenvereinen Organisationen der Nazis. Ihr eingezogenes, in Gelle verwaltetes Vermögen an Immobilien usw. wurde 1948 wieder freigegeben. Ein Jahr später - die harte Deutsche Mark, kurz DM, hatte die inflationäre Reichsmark abgelöst—feierten die Finnentroper wieder ein Schützenfest.


So sah Finnentrops Ortsteil "Neubrucke" um 1880 aus. Auf der Photographie ist deutlich die Eisenhütte mit ihren Schornsteinen zu erkennen. In den Überbleibseln der alten Eisenhütte habe er, so erinnert sich der 1905 geborene Vereinsvorsitzende Wilhelm Metten, mit seinen Kindheitsgefmährten gerne "Indianer gegen Cowboys"oder "Räuber und Gendarm" gespielt. Daß das alte Gemäuer, in dem man sich so geheimnisvoll verstecken konnte, die Fantasie auch noch zu anderen "Spielchen" verleitete (etwa mal das Tabakrauchen mit der Friedenspfeife), verriet Vorsitzer Metten augenzwinkernd ...

Eine "Schützenfesttriologie" starb 1921

Vor ihrer Eigenständigkeit feierten die Finnentroper auf den Schützenfesten dreier benachbarter Orte mit. Die Habbecker gingen oder fuhren mit der Eisenbahn (wenn das Geld reichte 4. Klasse fünf Pfennig) zum 4 Kilometer entfernten Lenhausen, die Neubrücker standen bei den Bamenohlern an der Vogelstange und die Altfinnentroper schließlich tanzten im Heggener Festzelt mit. Mit diesen umständlichen "Gastspielen" wollten die Finnentroper schon vor dem 1. Weltkrieg Schluß machen; vor allem die Bewohner des Ortsteils Habbecke drängten auf die Bildung eines eigenen Vereins. mit der letzten Teilnahme am Lenhausener Schützenfest, am ersten Sonntag im August 1921, ging die seltsame "Schützenfesttriologie" zu Ende. Denn am 25. September des gleichen Jahres versammelten sich etwa 60 Finnentroper im großen Saal des Neubrücker Hofs, der am 4. Dezember 1921 zur Wiege des Bürgerschützenvereins wurde. Bei der erstgenannten Zusammenkunft hatte es Versammlungsleiter Fritz Vedder nicht schwer, zwingende Motive für die Gründung eines eigenen Schützenvereins zu nennen. Schön in dieser ersten Versammlung war, wie aus dem Originalprotokoll zu ersehen, vom Bau einer Schützenhalle die Rede. Zur Vorbereitung der einstimmig beschlossenen Gründungsversammlung wurde ein Ausschuß nominiert, der die Vereinssatzung aufstellte: Johannes Biggemann, Fritz Vedder, Johannes Besting, Johann Trippe, Emil Schmidt, Theodor Schröder, Karl Wildtraut, Eberhard Meckeler, Ferdinand Brakel.

Dreifaches Hurra erklang zur Vereinstaufe

Zur Gründungsversammlung am 4. Dezember 1921 waren 85 Männer in den Neubrücker Hof gekommen, und am Ende der Versammlung zählte man schon 155 Mitglieder — wieder alles Männer. Die Emanzipation (Gleichstellung) der Frau war damals gerade erst zum politischen Wahlrecht der Frau gekommen, von der sogenannten Gleichberechtigung sprach kaum jemand. Und wie steht es um die Dinge heute, etwa bei den Hauptversammlungen der Schützenvereine? Na lassen wir das hier. Zurück zur Gründungsversammlung die folgende Leute einstimmig in den Vorstand wählte (man beachte die Berufej: 1. Vorsitzer Steinbruchbesitzer Johannes Biggemann, 2. Vorsitzer Gastwirt Theodor Schröder, 1. Schriftführer Reichsbahn-Werkführer Fritz Vedder, 2. Schriftführer Eisenbahnassistent Johann Besting, 1. Kassierer Eisenbahngehilfe Ferdinand Brakel, 2. Kassierer Eisenbahngehilfe Eberhard Meckeler. Beisitzer waren Platzmeister (Schrotthandel) Johannes Trippe, die Lokführer Karl Wildtraut und Emil Schmidt, Direktor Paul Wever, Verlademeister Heinrich Brachthäuser, Bauer Josef Sommerhoff. Aus den soziologisch interessanten Berufsangaben läßt sich folgern: 1. Der Bürgerschützenverein Finnentrop erfaßte von Beginn an die Bürger aller Schichten, 2. die Eisenbahner halfen im Vorstand mit, die Vereinsweichen zu stellen. Gute Weichensteller behielt der Vereinsvorstand übrigens bis heute, im Jubiläumsjahr. Doch davon später. Ober die Gründungsversammlung wäre noch zu sagen, daß sie mit einem dreifachen Hurra offiziell beendet wurde. Hurra-Rufe waren noch ein Überbleibsel des mit Kriegsende 1918 versunkenen Deutschen Kaiserreichs. Wie schwer die Völker aus ihrer Historie, ihrer Geschichte, entlassen werden, das sollte sich besonders den Deutschen einige Jahre später zeigen. Da erklangen andere Rufe. Davon wollen die Deutschen heute, von wenigen Irrlichternden, zum Gluck nichts mehr wissen.

"Vater und Mutter" kamen zum ersten Fest

Auf einer Schlackenhalde der damaligen Firma Wolf, Netter & Jakoby (wo heute die Bandverzinkungsanlage von Mannesmann -jetzt Thyssen- steht) feierten die Bürgerschützen vom 1. bis 3. Juli 1922 ihr erstes Schützenfest. Über 200 Mitglieder (Finnentrop hatte damals knapp 800 Einwohner) und viele Gäste drängten sich in einem Lakenzelt. Sinn für echten Humor bewies der 1. Vorsitzer Johannes Biggemann schon in seiner Begrüßungs- und Festrede. Dazu ein paar Zitate aus dem Original-Protokoll: "Vater und Mutter unseres Vereins sind nach meiner Auffassung die Schützenvereine Bamenohl/Weringhausen und Lenhausen, aus denen unser Verein hervorgegangen ist. Darüber, wer Vater und Mutter ist, gibt es keinen Streit. Lenhausen ist die St.-Anna-Bruderschaft, demnach müßte Bamenohl/Weringhausen der Vater sein." Biggemann weiter, immer "im Bilde" bleibend: "Sogar die Großeltern sind vertreten, und das ist der Schützenverein Schönholthausen-Ostentrop. Onkel und Tante sind auch gekommen, und zwar die Vereine Fretter und Rönkhausen, ebenfalls unser Nachbar, der Verein von Heggen." So wurde das erste Finnentroper Schützenfest ein ganz spezifisches "Familienfest". Der erste Schützenkönig qualifizierte sich dort, wo bis heute alle anderen ermittelt wurden, nämlich an der Vonelstanne auf Sommerhoffs Weide.

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FESTHALLE FINNENTROP


Sie ist das Monument einer großartigen Gemeinschaftsleistung

"Mit Geld bauen kann jeder, aber ohne Geld —das ist schon eine Kunst." So oder ähnlich drückte sich Vorsitzender Wilhelm Metten 1950 im Kreis der Vorstandsmitglieder aus, als über den Bau einer Schützenhalle beraten und das Geld der Vereinskasse gezählt wurde. Es kamen nur 800 DM dabei heraus. Ein lächerlich kleines Sümmchen als Startkapital für ein Bauvorhaben, dessen erster grober Kostenvoranschlag auf 360 000 DM angesetzt war. Für diesen Betrag hätte man allenfalls die 1967 erfolgte Vergrößerung und Modernisierung der Festhallenbühne gut hinbekommen. Näheres dazu später.

Was hätten die Schützen gesagt, wenn . . .

. . . der Vorstand den Bürgerschützen über Baukosten und Finanzierung von Anfang an und zwischenzeitlich die volle Wahrheit eingestanden hätte? Nun, die Vereinsmitglieder wären durchweg nicht nur mutlos oder, wie man heute sagt: verunsichert worden, sondern der Vorstand wäre wahrscheinlich zum Teufel gewünscht worden. Denn schon 1953 nannte der beauftragte Finnentroper Architekt BDA Albert Kirchhoff, selbst Bürgerschützenmitglied, einen Kostenvoranschlag von 596 100 DM. Um finanziell einigermaßen flüssig zu bleiben, beschloß der Bürgerschützenverein 1953 den im Jahr zuvor auf 5 DM festgelegten Monatsbeitrag auf acht Jahre zu verlängern. Durch den Verkauf von "Bausteinen" im Werte von DM 10,- kamen weitere DM 26 000 in die Schützenkasse. Sie profitierte ferner durch freiwillige zinslose Darlehen der Bürgerschützen in Höhe von insgesamt 140 000 DM. Finanzhilfe gab im selben Jahr auch die damalige Gemeinde Schönholthausen, deren Vertreter mit 19 gegen 4 Stimmen beschlossen, dem Bürgerschützenverein alle Vergnügungssteuern auf acht Jahre zu streichen, und zwar bis zu einem Betrag von 15 000 DM jährlich.

In die Hände gespuckt und fleißig gebaut!


Das war das Erfolgsrezept, mit dem die Finnentroper Bürgerschützen eine Gemeinschaftsleistung zustande brachten, die im ganzen Sauerland einzigartig ist! Die praktische Arbeit der damals 225 Mitglieder bildete die unumgängliche Voraussetzung für das Gelingen des großen Werks. Mit Schippe und Hacke ging man zunächst daran, das schon 1936 erworbene Gelände zu planieren. Bei den notwendigen Felssprengungen in dem topographisch schwierigen Gelände fielen die Steine zum Bau der Stützmauer des Vorplatzes an. Der Rohbau stand 1953, und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Kostenersparnis waren die Mauern für das Kino und die Nebenräume mitgebaut worden. Das Kino mit seinen 400 Sitzplätzen stand mit 160 000 DM Baukosten zu Buche. Es wurde übrigens schon 1954 mit dem Namen "Schützenhof-Lichtspiele" eröffnet. Lust und Schwung zur Mithilfe am Bau verminderten sich bei den Bürgerschützen nicht. Es war keine Seltenheit, bis zu 200 Männer auf der großen Baustelle anzutreffen. Lastwagen von Firmen in und um Finnentrop schafften das Baumaterial heran. "Selbstverständlich" kostenlos. Bei soviel bewiesenem Gemeinschaftssinn beschleicht einem der Gedanke, ob so etwas heute in Orten gleicher Größe noch möglich wäre. Höchstwahrscheinlich nicht. Warum? Die immer stärker gewordene "Vereinzelung" des Menschen, der größere Zwang zur beruflichen Leistung, das gestiegene Angebot an Unterhaltung und Abwechslung (mehr Veranstaltungen, Fernsehen usw.) und die riesig erweiterte Mobilität (Auto) sind wohl die wichtigsten Faktoren einer Entwicklung, die das Bewußtsein für Wert und Bedeutung von freiwilligen großen Gemeinschaftsleistungen sehr gemindert haben.

Zum "Endspurt" häuften sich die Spenden

Wer selbst einmal ein Haus gebaut hat, der weiß, daß nach dem Rohbau erst die "richtigen" Kosten kommen. Aber die Finnentroper Bürgerschützen hatten mit ihrem beispielhaften baulichen Eifer große und kleine Firmen - sogar einige auswärtige schon so beeindruckt, daß die Bitte um eine Spende oder Stiftung gewissermaßen nur eine Formsache war. Für solche Formsachen machte sich vor allem Vorsitzer Metten, der Spiritus rector des baulichen Werks, stark. Als Fleisch- u. Wurstwarenfabrikant hatte er längst materielle Beispiele gegeben, zumal es ihm am wenigsten "Wurst" sein konnte, die freiwilligen Hallenbauer deftig und kräftig zu beköstigen. Von da oder dort rollte ein Fäßchen "Stiftsbier" herbei, damit alles nicht so trocken sei. Die Finnentroper Mannesmann-Werke stifteten die Dachhaut aus verzinktem Eisenblech (22 000 DM). "Kein Geld nahm ich für Eisen" (40 000 DM) darf sich die Firma Markmann in Düsseldorf heute noch sagen (Inhaber ist der gebürtige Finnentroper Josef Trippe). Aus der Landeshauptstadt kamen auch Ziegelsteine im Wert von 10 000 DM (Firma Hansa-Eisen, Inhaber Tony Trippe aus Finnentrop), die hiesige Kalkindustrie stiftete Baukalk (etwa 7000 DM); aus dem Gebiet Erwitte bezogen die Bürgerschützen für 5500 DM Zement ohne Rechnung, auf die gleiche Weise für 4500 DM Rheinkies, Sand und Splitt. Die Lastwagen hiesiger Firmen rollten und rollten. Kostenpunkt: 0,0000 DM. Für die Bürgerschützen wohlgemerkt! Holzspenden von Waldbesitzern, auch Nichtmitglieder der Bürgerschützen darunter, erbrachten einen Wert von 4500 DM. Installationen und WC (3800 DM) legten verschiedene örtliche Handwerker kostenlos an, desgleichen die Heizung (6000 DM).
Wie die Bürgerschützen 42 000 DM gewannen

Zum "verrücktesten" Spender wurde der schon einmal genannte Düsseldorfer aus Finnentrop, nämlich Josef Trippe. Er beguckte sich den Hallenbau Ende Mai 1959, ca. zwei Monate vor dem gesetzten Eröffnungstermin. Josef Trippe hält viele Dinge im Leben und im Bauwesen für möglich. Die Fertigstellung der Festhalle zum 4 Juli 1959 schien dem guten Josef schier unmöglich, mochten die Handwerker und Helfer auch wie ein wildgewordener Wespenschwarm in der Halle herumschwirren! Hochachtung! Spontan entfleuchte Josef Trippe dann dies Wort: "Wenn das wahr wird, dann dürft ihr meine letzte Rechnung zerreißen." Zerreißen taten sich daraufhin erst einmal die ohnehin genügend bauwütig gewordenen Bürgerschützen, die noch Reserven an Nerven und Kraft für ein unheimliches Finish in diesem Baurennen gegen die Uhr mobilisieren konnten Die Festhalle war am 4. Juli tatsächlich fertig. Viele Bürgerschützen freilich auch. Aber zum Zerreißen besagter Rechnung waren sie noch fähig. Das brachte ihnen den Gewinn von 42 000 DM (wörtlich Zweiundvierzigtausend) an ersparten Baukosten. Da war der gute Josef Trippe auch fertig.

Festhalle strahlte im Sonnenjahr 1959

Im bisher sonnenreichsten Jahr des 20. Jahrhunderts strahlte die Finnentroper Festhalle im Glanz ihrer Vollendung. Unsere Vorväter oder Vorvorväter würden sicherlich davon gesprochen haben, der liebe Gott persönlich habe den wackeren Bürgerschützen bei ihrem löblichen Tun geholfen. Tatsache ist jedenfalls, daß der inzwischen gestorbene - Pastor Bitter viel Verständnis für die Hallenerbauer an den frühen Tag legte. Etliche Monate lang hielt der wohlgesonnene Seelenhirte sonntags schon um 6 Uhr die hl Messe in Form eines Feldgottesdienstes, an der Bürgerschützen mit Schippe und Hacke teilnahmen, manchmal mit über 200 Mann.

Der erste Schützenkönig, der in der Festhalle residierte, war Dr. Bruno Feldmann (†) Beim großen Schützenfest zur Eröffnung der Festhalle zählten der Oberkreisdirektor des Kreises Meschede Dr Ammermann (†) und der Landrat des Kreises Olpe, Josef Metten, zu den vielen offiziellen Gästen. Das erklärt sich aus der geographischen Lage Finnentrops, das damals hart an der Grenze der beiden Landkreise lag, seit dem 1. 7. 1969 (mit dem einstigen Amtsbezirk Serkenrode) dem Kreis Olpe angegliedert ist. Bei der Eröffnungsfeier überreichte der Vorsitzer des Olper Kreis-Schützenbundes Amtsdirektor Rettig (†), dem Vorsitzer des Bürgerschützenvereins Finnentrop, Wilhelm Metten, den goldenen Verdienstorden des Sauerländer Schützenbundes In dieser hohen Auszeichnung liegt für jeden Bürgerschützen ein Stuck Anerkennung mit drin für die Verwirklichung des großen Bauobjekts. Seine besondere Pointe: Erst bei der Eröffnungsfeier wurden den über 500 Mitgliedern (ein Verdienst der intensierten Mitgliederwerbung des Lehrers Ferdinand Bücker, jetzt wohnhaft in Arnsberg) die wirklichen Baukosten genannt: weit über eine Million Mark! Zu diesem begeisternden Schock kam die erfreuliche und bemerkenswerte Information, daß der Verein zur Finanzierung lediglich ein einziges Darlehen von 80 000 DM aufnehmen mußte. Den Bürgerschützen blieb die sprichwörtliche Spucke weg!

Ursprünglich hatten die Bürgerschützen 1950 schlichtweg eine Schützenhalle bauen wollen. Zehn Jahre später fragten sie sich, was sie mit ihrer, "Superhalle" noch tun könnten. Jedermann war klar: Ein Schützenfest im Jahr allein ist ein geradezu "beleidigender" Nutzungseffekt. Geschäftsführer Franz Schulte, damals noch als Bundesbahnhauptsekretär tätig, hatte schon beim Bau der Halle vieles ins Rollen gebracht. Nun sann er, ermuntert durch den Erfolg des Kinos, nach neuen Wegen und Möglichkeiten. 1960 arrangierte Franz Schulte die erste Veranstaltung und nannte sie "Starparade". Es kamen - trotz verminderter Gage - u. a. Gerhard Wendland, Oskar Sima und Marita Grundgens. Man registrierte die stolze Zahl von 1760 Besuchern. 2400 Einwohner hatte Finnentrop zu jener Zeit.

Wir wurden zunächst "Tournee-Lückenbüßer"


Das sagt Franz Schulte im Rückblick heute. Im Jahr nach der geglückten Veranstaltungspremiere mit der "Starparade" kam Vico Torriani mit dem Schlagersängernachwuchs zur letzten Ausscheidung vor dem Deutschen Schlagerfestival 1961 in Wiesbaden. Noch viele bekannte Namen und Gesichter tauchten später auf der Festhallenbühne auf: Wiener Sängerknaben, Bielefelder Kinderchor, Sinfonieorchester, Operetten- und Theaterbühnen. "Je anspruchsvoller die Veranstaltung, desto geringer die Besucherzahl", gesteht Franz Schulte freimütig. Der Bürgerschützenverein trug das finanzielle Risiko. War das Loch in den Einnahmen zu groß geworden, bat man Gemeinde und Kreis, es zu stopfen. Wegen der geldlichen Verluste durch die kulturellen Veranstaltungen resignierte der Bürgerschützenverein nicht gleich. Er suchte nach neuen Einnahmequellen. Am Anfang stand eine Ausgabe von 40000 DM für die Vergrößerung und Modernisierung der Hallenküche. Konsequenz daraus: jährlich etwa 15 Betriebsfeste mit 500 bis 1500 Personen, außerdem zahlreiche kleinere Feiern.

Kulturring und Kulturamt schufen Wandel

Mit der Gründung eines Kulturrings und der Einrichtung eines Kulturamtes wurden die Weichen zur Organisation von Veranstaltungen anders gestellt Der Bürgerschützenverein brauchte nun nicht mehr zu bangen, ob die Kasse stimmen würde. Und für Geschäftsführer Franz Schulte wurden jene Jahre zur Erinnerung, in denen er in bis zu 47 Orten Plakate verteilen, teils auch selbst kleben mußte. Denn die Besucher der Festhalle kamen und kommen auch aus den Gebieten um Altenhundem, Attendorn, Plettenberg und Eslohe.

Festhalle wurde ein kompetentes Theater

Der Bürgerschützenverein hatte durch den Bau der Festhalle erst die Voraussetzung für kulturelle Veranstaltungen geschaffen und dann wertvolle Impulse für das Kulturleben in Finnentrop gegeben. Auf die Dauer gesehen, konnte man jedoch auf diesem Gebiet nur mit einer weitaus größeren und modern ausgestatteten Bühne bestehen. Und noch einige andere Dinge, die noch genannt werden, erwiesen sich als erforderlich. Das alles kostete Geld, viel Geld! Dem Bürgerschützenverein durfte man nur noch begrenzt finanzielle Lasten aufbürden. Das war dem damaligen Amtsbürgermeister Grauheer und Amtsdirektor Volllmer zur Genüge bekannt. Ihrer Initiative und dem Wohlwollen der Vertreter das einstigen Amtes Serkenrode ist es zu danken daß der Kreistag Meschede 1967 dazu bewogen wurde, für den Umbau der Halle einen Zuschuß von 285 000 DM zu geben. Allerdings mußte sich der Bürgerschützenverein Vernehmlich verpflichten, die Festhalle 50 Jahre lang (!) kostenfrei für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Erstattet werden lediglich die fixen Kosten für Energieverbrauch und Reinigung

Die Gesamtkosten des Projekts lagen mit rund 420 000 DM weit über dem genannten Zuschuß des Kreises Meschede. Denn da gab es neben dem Bühnenumbau noch einige "Kleinigkeiten". Das fehlende Foyer mit großer Garderobe brachte einen Vorbau an der Frontseite der Festhalle. Gute Sicht für alle Besucher im großen Saal schufen erst re- und demontierbare, terrassenförmig nach hinten ansteigende Sitzflächen aus Holz. Die Einrichtung einer Hausmeisterwohnung rundete das Neugeschaffene ab.

Die schöne Festhalle, Monument einer gewaltigen Gemeinschaftsleistung der Bürgerschützen hatte nun ihren Mehrzweckcharakter noch um ein kompetentes Theater bereichert. Das Jubiläumsfest des Bürgerschützenvereins rückt ganz dicht in die Nähe der 2000. Veranstaltung, die seit der Eröffnung 1959 in der Festhalle zu registrieren ist.

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